Wer viele Stunden am Schreibtisch sitzt, kennt das Problem: Nacken- und Rückenschmerzen schleichen sich oft genau dann ein, wenn man sie am wenigsten erwarten würde. Eine 2024 in der Scandinavian Journal of Work, Environment & Health veröffentlichte Studie von Channak, Speklé, van der Beek und Janwantanakul liefert dazu einen der überzeugendsten Befunde, die ich zum Thema dynamisches Sitzen kenne.
Was die Studie untersucht hat
133 Büroangestellte mit erhöhtem Risiko für Nacken- und Rückenschmerzen wurden über 6 Monate in zwei Gruppen aufgeteilt: 67 erhielten ein dynamisches Sitzkissen, das kleine, wiederkehrende Haltungswechsel während des Sitzens fördert, 66 erhielten zum Vergleich ein optisch identisches Placebo-Kissen ohne diese Funktion. Erfasst wurden das Neuauftreten von Nacken- und Rückenschmerzen sowie Sitzunbehagen, Schmerzintensität, Funktionseinschränkung und die Aktivität der Rumpfmuskulatur.
Die Ergebnisse im Überblick
Neuauftreten von Nackenschmerzen: In der Interventionsgruppe entwickelten 15 Prozent der Teilnehmenden neue Nackenschmerzen, in der Kontrollgruppe waren es 65 Prozent.
Neuauftreten von Rückenschmerzen: Bei den unteren Rückenschmerzen zeigte sich ein ähnliches Bild: 10 Prozent in der Interventionsgruppe gegenüber 59 Prozent in der Kontrollgruppe.
Statistische Risikoreduktion: Nach Berücksichtigung biopsychosozialer Einflussfaktoren ergab sich eine um 81 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für Nackenschmerzen und eine um 84 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für Rückenschmerzen in der Interventionsgruppe, beides statistisch hoch signifikant.
Was die Autoren schlussfolgern
Die Studienautoren schlussfolgern, dass ein dynamisches Sitzkissen, das regelmäßige kleine Haltungswechsel anregt, das Neuauftreten von Nacken- und Rückenschmerzen bei Büroangestellten mit erhöhtem Risiko deutlich reduzieren kann, vermutlich weil es einseitig-statische Sitzhaltungen über den Arbeitstag unterbricht.
Einschränkungen der Studie
Die Studie wurde ausschließlich mit Büroangestellten durchgeführt, die bereits ein erhöhtes Risikoprofil hatten, eine Übertragung auf alle Bürotätigen ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Zudem wurde ein spezifisches Sitzkissen-Design getestet, nicht ein Stuhl oder eine andere Sitzlösung, und die Nachbeobachtung endete nach 6 Monaten, Aussagen über Langzeiteffekte über Jahre hinweg lassen sich daraus nicht ableiten.
Einordnung für die Praxis
Diese Studie wurde nicht mit einem Produkt aus unserem Sortiment durchgeführt, das Prinzip lässt sich aber gut auf unsere Kollektion für dynamisches Sitzen übertragen: Alle Lösungen, die während des Sitzens kleine, unbewusste Ausgleichsbewegungen fördern, wie Sitzkeile, Wackelkissen oder ergonomische Sitzunterlagen, zielen auf denselben Mechanismus ab, den diese Studie belegt. In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass Patientinnen und Patienten mit Bürotätigkeit von genau dieser Art von Bewegungsanreiz während des Sitzens profitieren, gerade zur Vorbeugung, bevor Beschwerden chronisch werden. Eine bereits bestehende ausgeprägte Rücken- oder Nackenproblematik sollte aber grundsätzlich physiotherapeutisch oder ärztlich abgeklärt werden. Wer selbst umsteigen möchte, findet in unserer Dynamisches Sitzen-Kollektion passende Produkte.
Die hier zitierte Studie wurde mit einem spezifischen Sitzkissen-Prototyp durchgeführt, nicht mit einem Produkt aus unserem Sortiment. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei bestehenden Rücken- oder Nackenbeschwerden empfehlen wir grundsätzlich eine physiotherapeutische oder ärztliche Abklärung.

