Warum tut es gut, eine schmerzende Stelle zu reiben oder zu vibrieren? Die Antwort liegt in einer der einflussreichsten Theorien der Schmerzforschung: der Gate-Control-Theorie, die die Psychologen Ronald Melzack und Patrick Wall 1965 im Fachjournal Science vorgestellt haben. Als Physiotherapeut begegnet mir dieses Prinzip täglich in der Praxis, deshalb möchte ich es hier einmal von Grund auf erklären.
Die Idee hinter dem "Tor" im Rückenmark
Melzack und Wall stellten die These auf, dass im Rückenmark eine Art Schaltstelle, ein "Tor", existiert, die entscheidet, welche Signale aus dem Körper bis ins Gehirn durchdringen und dort als Schmerz wahrgenommen werden. Feine Berührungs- und Vibrationsreize werden über schnelle Nervenfasern geleitet und können dieses Tor gewissermaßen verschließen, sodass langsamere Schmerzsignale schwerer hindurchkommen. Diese Theorie war 1965 eine Revolution, weil sie erstmals erklärte, warum mechanische Reize wie Reiben, Druck oder Vibration Schmerz spürbar lindern können, ohne dass eine Verletzung geheilt wird.
Wie die Theorie klinisch getestet wurde
Knapp 20 Jahre später prüften Lundeberg, Nordemar und Ottoson die These direkt am Patienten. In ihrer 1984 im Fachjournal Pain veröffentlichten Untersuchung an 366 Personen mit akuten oder chronischen muskuloskelettalen Schmerzen, viele davon nach erfolglosen Vorbehandlungen, testeten sie Vibrationsreize an unterschiedlichen Stellen: direkt am Schmerzort, am betroffenen Muskel oder an Triggerpunkten, mit unterschiedlichem Anpressdruck.
Ergebnis: 69 Prozent der Patientinnen und Patienten berichteten während der Vibrationsstimulation von einer Schmerzreduktion. Am wirksamsten war ein mittlerer Anpressdruck, die spürbare Schmerzlinderung baute sich über etwa 25 bis 45 Minuten Anwendung auf.
Spätere Forschung hat das Prinzip weiter untersucht: Staud und Kollegen zeigten 2011 im European Journal of Pain, dass sich experimentell ausgelöster Schmerz bei Menschen mit chronischen, teils weit verbreiteten muskuloskelettalen Schmerzen durch vibrotaktile Stimulation abschwächen lässt, ein Hinweis darauf, dass der Mechanismus auch bei chronifizierten Schmerzbildern noch greift.
Was diese Forschung zeigt, und was nicht
Wichtig zur Einordnung: Diese Studien untersuchten Vibrationsreize allgemein, nicht ein bestimmtes kommerzielles Gerät und schon gar nicht speziell die Evosonics-Technologie. Die Stichproben stammen zudem aus den 1980er und 2010er Jahren mit unterschiedlichen Studiendesigns, eine direkte Übertragung der Prozentzahlen auf jede individuelle Anwendung ist nicht möglich. Die Gate-Control-Theorie selbst gilt zudem heute als vereinfachtes Modell, das durch modernere Schmerzforschung ergänzt, aber im Kern nicht widerlegt wurde.
Was das für die Schallwellentherapie bedeutet
Die Gate-Control-Theorie ist einer der physikalischen Grundmechanismen, auf denen auch die Schallwellentherapie aufbaut, neben Mechanotransduktion, Thixotropie und Vagus-Stimulation, wie ich sie auf unserer Seite Was ist Vibroakustische Therapie? ausführlicher erkläre. Wenn Anwenderinnen und Anwender bei uns von einer spürbaren Erleichterung während der Anwendung berichten, ordne ich das auch vor dem Hintergrund dieser über 50 Jahre alten, gut dokumentierten Grundlagenforschung ein. Wer die Schallwellentherapie selbst ausprobieren möchte, findet in unserer Schallwellentherapie-Kollektion die passenden Geräte.
Die hier zitierten Studien untersuchen den allgemeinen physiologischen Mechanismus von Vibration und Schmerz, nicht speziell unsere Evosonics-Geräte. Die eingesetzte Evosonics-Technologie ist von der australischen Therapeutic Goods Administration (TGA) als Medizinprodukt zugelassen und trägt die CE-Kennzeichnung nach europäischen Sicherheitsstandards. Im Europäischen Wirtschaftsraum ist sie aktuell als Wellness-Produkt klassifiziert, eine EU-Medizinprodukt-Zulassung nach MDR liegt noch nicht vor. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche Abklärung.

