100 Hz: Der Schmerz-Sweet-Spot bei Vibrationstherapie

Warum liegen so viele unserer Programme, etwa "Pain Relief" oder Teile des SoundWave Pro-Protokolls, im Bereich von 100 bis 120 Hz? Die Forschung zu Vibration und Schmerz gibt darauf eine erstaunlich klare Antwort: Dieser Frequenzbereich gilt als eine Art Sweet Spot. Zwei Arbeiten zeigen das besonders deutlich, eine gezielte klinische Studie und ein aktuelles systematisches Review, das die Gesamtevidenz zusammenfasst.

Was die Studien untersucht haben

Roy, Hollins und Maixner testeten 2003 im Fachjournal Pain an 17 Personen mit schmerzhaften Kiefergelenksbeschwerden (TMD), ob Vibration bei unterschiedlichen Frequenzen den Schmerz reduziert. Verglichen wurden 20 Hz und 100 Hz, gemessen wurde die Schmerzintensität sowie die Größe der schmerzenden Fläche. Fast 20 Jahre später haben Casale und Hansson 2022 im European Journal of Physical and Rehabilitation Medicine die vorhandene Forschung zu lokaler Vibration und Schmerz in einem systematischen Review zusammengefasst, mit explizitem Vergleich niedriger Frequenzen um 20 Hz gegenüber hochfrequenter Vibration im Bereich von 100 bis 250 Hz.

Die Ergebnisse im Überblick

Die TMD-Studie: Bei 100 Hz reduzierte sich der Schmerz signifikant, sowohl in der Schmerzstärke als auch in der Ausdehnung der schmerzenden Fläche. Bei 20 Hz zeigte sich dieser Effekt nicht. Da er auch dann auftrat, wenn die Vibration auf der schmerzfreien Gesichtsseite angewendet wurde, schlossen die Autoren auf einen zentralnervösen statt einen rein lokalen Wirkmechanismus.

Das Review: Casale und Hansson kommen zu dem Schluss, dass die besten schmerzlindernden Effekte im Bereich von 100 bis 250 Hz liegen, mit einem Wirkungsgipfel zwischen 100 und 150 Hz. Als Mechanismus beschreiben sie die Aktivierung von Aβ-Nervenfasern, die über die Gate-Control-Theorie Schmerzsignale im Rückenmark hemmen können, ergänzt durch Effekte auf sensorische Hirnrindenareale und das Kleinhirn. Die Autoren betonen, dass die Frequenz wichtiger sei als die Intensität der Vibration, weil unterschiedliche Frequenzen unterschiedliche Areale im Nervensystem ansprechen.

Eine wichtige Gegenstimme

Ganz so einfach ist es aber nicht immer. Eine 2021 im Fachjournal PLOS One veröffentlichte, mehrzentrische Doppelblindstudie (Eshuis und Kollegen, Dänemark, Italien, Niederlande) prüfte bei 45 älteren Menschen mit chronischen Schmerzen, ob niedrigfrequente Vibration (20 bis 100 Hz) in Kombination mit Musik den Schmerz stärker lindert als eine hochfrequente Kontrollbedingung (200 bis 300 Hz), ebenfalls mit Musik, über 8 Sitzungen in 3 Wochen. Ergebnis: kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen, keine der beiden Bedingungen erzielte eine nachhaltige Schmerzreduktion, beide Hypothesen wurden verworfen. Ich finde es wichtig, das genauso offen zu benennen wie die positiven Befunde, gerade weil diese Studie mit einer Kombination aus Vibration und Musik arbeitete, unserem eigenen Ansatz technisch am nächsten von allen hier genannten Studien.

Was das für die Schallwellentherapie bedeutet

Die Befundlage zeigt kein einheitliches Bild, sondern eine Tendenz: Mehrere Arbeiten, insbesondere zur akuten, lokalen Schmerzreduktion, sprechen für einen Wirkungsbereich um 100 bis 150 Hz. Bei chronischen Schmerzen über mehrere Wochen, wie in der Eshuis-Studie, war der Nachweis dagegen nicht zu erbringen, ein Muster, das zur Schmerzforschung allgemein passt: Akute Effekte lassen sich oft leichter nachweisen als nachhaltige Veränderungen bei chronischen Beschwerden.

Einordnung für die Praxis

Keine der hier genannten Studien wurde mit einem Evosonics-Gerät durchgeführt. Roy, Hollins und Maixner nutzten einen mechanischen Vibrationskopf im Gesichtsbereich, das Casale/Hansson-Review fasst überwiegend Studien zu lokalen Punktvibrationsgeräten zusammen, und die Eshuis-Studie verwendete ein anderes Kombinationsgerät aus Vibration und Musik. Unsere vibroakustischen SoundWave-Geräte arbeiten mit einem verwandten, aber technisch eigenständigen Prinzip, das sich flächiger über den Körper ausbreitet, mehr dazu auf unserer Seite Was ist Vibroakustische Therapie?. Trotzdem finde ich die Befundlage zum 100 bis 120 Hz-Bereich ermutigend, gerade weil sie auf einem plausiblen neurophysiologischen Mechanismus beruht und nicht nur auf Einzelbeobachtungen. Bei chronischen Schmerzen rate ich aber grundsätzlich zu realistischen Erwartungen und einer Anwendung als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine physiotherapeutische oder ärztliche Behandlung. Wer die Frequenzen selbst ausprobieren möchte, findet in unserer Schallwellentherapie-Kollektion die passenden Geräte.

Die hier zitierten Studien wurden mit unterschiedlichen, nicht von Evosonics stammenden Vibrationsgeräten durchgeführt und beziehen sich teils auf andere Anwendungsgebiete (Kiefergelenksschmerz, chronischer Schmerz im Alter) als der allgemeine Einsatz unserer Geräte. Die eingesetzte Evosonics-Technologie ist von der australischen Therapeutic Goods Administration (TGA) als Medizinprodukt zugelassen und trägt die CE-Kennzeichnung nach europäischen Sicherheitsstandards. Im Europäischen Wirtschaftsraum ist sie aktuell als Wellness-Produkt klassifiziert, eine EU-Medizinprodukt-Zulassung nach MDR liegt noch nicht vor. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche Abklärung.

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Titel: 100 Hz: Der Schmerz-Sweet-Spot bei Vibrationstherapie