TENS-Geräte gehören zu den am häufigsten genutzten Hilfsmitteln gegen Schmerzen, in Kliniken ebenso wie zu Hause. Was zeigt die Forschung tatsächlich? Die umfassendste Antwort liefert eine 2019 veröffentlichte Übersichtsarbeit von Gibson, Wand, Meads, Catley und O'Connell, die im Auftrag der Cochrane Collaboration sämtliche vorhandenen Cochrane-Reviews zu TENS bei chronischen Schmerzen zusammengefasst hat, ergänzt durch ein aktuelles Evidenz-Update von Vance und Kollegen aus dem Jahr 2022.
Was die Studien untersucht haben
Gibson und Kollegen werteten 9 Cochrane-Reviews aus, von denen 8 verwertbare Daten enthielten: insgesamt 51 randomisiert-kontrollierte Studien mit 2895 Teilnehmenden, die TENS gegen Scheinbehandlung, keine Behandlung oder als Ergänzung zu anderen Therapien bei unterschiedlichen chronischen Schmerzformen verglichen. Vance und Kollegen fassten 2022 ergänzend zusammen, welche Anwendungsparameter (Frequenz, Intensität, Elektrodenplatzierung) nach aktuellem Stand als wirksam gelten.
Die Ergebnisse im Überblick
Wirksamkeit insgesamt: Die Autoren kamen zu dem ernüchternden Schluss, dass sich nicht mit Sicherheit sagen lässt, ob TENS wirksamer ist als eine Scheinbehandlung, keine Behandlung oder eine übliche Versorgung. Die Qualität der zugrunde liegenden Studien wurde selbst als "sehr niedrig" eingestuft, meist wegen kleiner Stichproben unter 50 Teilnehmenden pro Gruppe.
Anwendungsparameter: Niedrige Frequenzen (unter 10 Hz) und hohe Frequenzen (über 100 Hz) sollen über unterschiedliche Mechanismen wirken, weshalb oft eine gemischte Frequenz empfohlen wird, um eine Gewöhnung bei wiederholter Anwendung zu vermeiden. Entscheidend für die Wirkung gilt weniger die exakte Frequenz als die Intensität: eine "starke, aber angenehme" beziehungsweise höchste tolerierbare, nicht-schmerzhafte Stimulationsstärke.
Entwicklung seit 2014: Im Vergleich zu einer früheren Auswertung habe sich die Dokumentation von Nebenwirkungen und Anwendungsparametern verbessert, grundlegende Qualitätsprobleme der Studienlage blieben aber bestehen.
Was die Autoren schlussfolgern
Gibson und Kollegen schreiben ausdrücklich, dass sie nicht mit Zuversicht feststellen können, ob TENS bei chronischen Schmerzen schädlich oder hilfreich ist, weder für die Schmerzstärke noch für Beeinträchtigung, Lebensqualität oder Medikamentenbedarf. Vance und Kollegen kommen zu einer vorsichtig positiveren Einschätzung: TENS könne bei verschiedenen akuten und chronischen Schmerzformen wirksam sein, das genaue Ausmaß des Effekts bleibe aber wegen der Studienqualität unsicher.
Einschränkungen der Studienlage
Das ist eine der ehrlichsten Aussagen, die die Forschung zu einem so weit verbreiteten Hilfsmittel treffen kann: Nach Jahrzehnten der Anwendung und Dutzenden Studien ist die Evidenzlage insgesamt schwach, nicht weil TENS nachweislich unwirksam wäre, sondern weil die vorhandenen Studien methodisch zu klein und uneinheitlich sind. Das betrifft praktisch alle am Markt erhältlichen TENS-Geräte gleichermaßen, da die Übersichtsarbeiten geräteübergreifend angelegt sind.
Einordnung für die Praxis
Ich finde es wichtig, diese Unsicherheit offen zu benennen, statt TENS-Geräte mit vollmundigen Versprechen zu bewerben. In meiner Praxiserfahrung berichten viele Patientinnen und Patienten von einer spürbaren, meist vorübergehenden Schmerzlinderung während und kurz nach der Anwendung, das deckt sich mit der Beobachtung von Vance und Kollegen zur Bedeutung der Stimulationsintensität. Eine wissenschaftlich zweifelsfrei belegte Langzeitwirkung lässt sich daraus aber nicht ableiten. TENS-Geräte bleiben aus meiner Sicht ein sinnvolles, nebenwirkungsarmes Hilfsmittel zur Selbstanwendung, das nicht als Ersatz für eine ärztliche oder physiotherapeutische Abklärung bei anhaltenden Schmerzen dienen sollte. Wer ein TENS- oder EMS-Gerät sucht, findet in unserer TENS- & EMS-Geräte-Kollektion eine Auswahl.
Die hier zitierten Übersichtsarbeiten fassen die geräteübergreifende TENS-Forschung zusammen und beziehen sich nicht auf ein bestimmtes Produkt aus unserem Sortiment. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei anhaltenden oder starken Schmerzen empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche Abklärung.

