Schallwellen und Entzündung: Die Rolle von Interleukin-10

Ein spannender Ansatzpunkt für Schallwellentherapie ist ihre mögliche entzündungshemmende Wirkung. Eine 2024 im Fachjournal Animal Cells and Systems (Taylor & Francis) veröffentlichte Studie von Ahn und Kollegen hat genauer untersucht, über welchen Mechanismus akustische Vibration auf das Immunsystem wirken könnte. Wichtig zur Einordnung vorab: An der Studie waren auch zwei Mitarbeiter von Evosonics als Co-Autoren beteiligt - das sollte bei der Bewertung der Ergebnisse mitbedacht werden.

Was die Studie untersucht hat

Die Forschenden untersuchten in Mäusen und in Zellkulturen (Immunzellen aus Mäusen und menschliche Immunzellen), wie akustische Vibration die Ausschüttung von Botenstoffen des Immunsystems (Zytokine) beeinflusst. Getestet wurden drei Frequenzen (14, 45 und 90 Hz). Anschließend wurde untersucht, ob sich die gefundenen Effekte auch in zwei Krankheitsmodellen zeigen: einer akuten, durch Bakteriengift ausgelösten Entzündungsreaktion sowie einem Modell für Darmentzündung (Colitis).

Die Ergebnisse im Überblick

Interleukin-10: Vibration bei 90 Hz erhöhte gezielt die Ausschüttung von Interleukin-10 (IL-10) - einem wichtigen entzündungshemmenden Botenstoff - sowohl im Tiermodell als auch in menschlichen und tierischen Immunzellen im Labor. Die anderen getesteten Frequenzen (14 und 45 Hz) zeigten diesen Effekt nicht.

Entzündungsmodell (Bakteriengift): Mäuse, die vor einer lebensbedrohlichen Bakteriengift-Gabe mit 90-Hz-Vibration behandelt wurden, zeigten eine doppelt so hohe Überlebensrate wie unbehandelte Tiere - dieser Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant.

Colitis-Modell: Bei Mäusen mit experimentell ausgelöster Darmentzündung reduzierte die 90-Hz-Vibration den Gewichtsverlust und einen Entzündungsmarker im Stuhl (Lipocalin-2) signifikant.

Was die Autoren schlussfolgern

Die Studienautoren schlussfolgern, dass akustische Vibration bei 90 Hz über eine gezielte Erhöhung von IL-10 entzündungshemmend wirken kann, vermittelt über die Signalwege p38 MAPK und NF-kB. Sie ordnen ihre Ergebnisse als wissenschaftlichen Beleg für einen möglichen entzündungshemmenden Wirkmechanismus akustischer Vibrationstherapie ein.

Einschränkungen der Studie

Es handelt sich um eine Tier- und Zellkulturstudie, keine Untersuchung an menschlichen Patientinnen und Patienten - eine direkte Übertragbarkeit auf die klinische Anwendung beim Menschen ist damit nicht automatisch gegeben. Der Überlebensvorteil im Bakteriengift-Modell war nicht statistisch signifikant. Untersucht wurden zudem nur kurze bis mittlere Anwendungszeiträume (bis zu 10 Tage), keine Langzeitanwendung. Zwei der sechs Studienautoren sind bei Evosonics angestellt - die Studie selbst gibt hierzu offiziell keinen Interessenkonflikt an, wir weisen der Transparenz halber trotzdem darauf hin.

Einordnung für die Praxis

Diese Studie liefert keinen Beweis für eine bestimmte Wirkung beim Menschen - dafür sind reine Tier- und Zellmodelle zu weit von der klinischen Praxis entfernt. Sie liefert aber einen plausiblen molekularen Mechanismus dafür, warum vibroakustische Stimulation in anderen Studien mit entzündlichen Beschwerden in Verbindung gebracht wird, und ergänzt damit das Bild, das sich aus der bisherigen Forschung zur Schallwellentherapie ergibt. Wer sich für das Thema interessiert, findet in unserer Schallwellentherapie-Kollektion die passenden Geräte.

Diese Studie wurde an Mäusen und Zellkulturen durchgeführt, nicht an Menschen, und lässt keine direkten Rückschlüsse auf die Wirkung bei menschlichen Patientinnen und Patienten zu. Zwei Studienautoren sind bei Evosonics angestellt, was bei der Einordnung berücksichtigt werden sollte. Individuelle Ergebnisse können abweichen. Bei entzündlichen Erkrankungen empfehlen wir grundsätzlich eine ärztliche Abklärung.

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Titel: Schallwellen und Entzündung: Die Rolle von Interleukin-10